Rückblick: Anpassung an den Klimawandel

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe 'Europa am Dienstag' nahmen am 23.09.25 im Grashaus 17 Teilnehmer*innen und weitere 15 online an einem Vortrag mit anschließender Diskussion zum Thema "Europa passt sich an den Klimawandel an: Klimavorsorge im Raum Aachen" teil. Als Referent sprach Jens Hasse, Klimafolgenanpassungsmanager der Stadt Aachen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Eva Onkels. 

 

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Der Klimawandel betrifft längst nicht nur ferne Regionen, sondern ist auch in Aachen spürbar. Extreme Wetterereignisse wie Starkregen, Hochwasser oder Hitzewellen nehmen zu, und die Stadt sowie die StädteRegion Aachen arbeiten daran, sich darauf vorzubereiten. Bei der Veranstaltung wurde diskutiert, welche Maßnahmen bereits laufen, wo Herausforderungen liegen und wie auch Bürgerinnen und Bürger konkret mithelfen können.

25 09 23 EaD Anpassung an den Klimawandelx300Jens Hasse begann den Vortrag mit einer generellen Einführung in die Thematik. Die wissenschaftlichen Daten zeigen deutlich: Was früher ein extremes Wetterereignis war, gehört heute oft schon zur Normalität. Höhere Temperaturen, längere Trockenphasen und intensivere Stürme wirken sich nicht nur lokal aus, sondern setzen ganze Wirkungsketten in Gang. Auch in Aachen sind die Veränderungen spürbar: Die Lage im Talkessel, versiegelte Flächen und dichte Bebauung verstärken die Hitze, während Starkregen wie im Sommer 2021 in Kornelimünster dramatische Folgen haben kann.

Während des Vortrages wurde der Bogen gespannt zu den Themen Klimavorsore und Klimaanpassung. Um besser gewappnet zu sein, setzt die Stadt Aachen auf eine Vielzahl von Maßnahmen. Dazu gehören das Freiraumkonzept „Grüne Krone“, der Hitzeaktionsplan, sowie das Hochwasser Resilienzkonzept. Diese Initiativen decken verschiedene Bereiche ab:

  • Blau-grüne Projekte, die Kühlung und Wasserspeicherung kombiniert fördern,
  • Hitze und Gesundheit, mit einem besonderen Fokus auf Risikogruppen,
  • Hochwasser und Starkregen, durch Karten, Beratung und bauliche Anpassungen.

Auch Bürgerinnen und Bürger können vorsorgen – vom Sichern von Kellern, über das Nachbarschaftsnetzwerken bei Warnungen bis hin zu praktischen Schritten wie Regentonnen, Fassadenbegrünung oder hellen Dächern. Ein wichtiger Punkt ist die gesundheitliche Vorsorge bei Hitzewellen. Der Deutsche Wetterdienst rechnet inzwischen mit bis zu 30 Tagen im Jahr über 30 Grad. Die Stadt setzt deshalb auf Risikokommunikation und eine „Karte der kühlen Orte“, die online abrufbar ist und auch von Bürgerinnen und Bürgern ergänzt werden kann. Zudem läuft die Initiative, mehr Schattenplätze und Verschattungssysteme in der Innenstadt zu schaffen.

Diskussionen mit dem Publikum

Viele Fragen bewegten die Teilnehmenden und so wurde nach dem Vortrag von Jenas Hasse reichlich diskutiert. Es wurden Fragen gestellt wie beispielsweise: wie ältere Menschen ohne Handy zuverlässig gewarnt werden können. Hier setzen Stadt und Ehrenamt auf Nachbarschaften, Solidargemeinschaften und Seniorenräte. Ein anderes Thema war der Umgang mit Schottergärten – sie verschärfen Hitze und Trockenheit. Hier bietet die Stadt Beratung an und unterstützt Hauseigentümer beim Rückbau. Auch das Thema Wasser spielte eine große Rolle: Kann man Regenwasser aus Starkregen-Ereignissen speichern, um es in Trockenzeiten zu nutzen? Die Stadt setzt bereits auf große Zisternen, wie am Büchel, und fordert Regenwassernutzung auch in Neubaugebieten.

Auf europäischer Ebene gibt es einige Verordnung und Fördermittel, um Klimaanpassung und Klimavorsorge zu betreiben. Die Fördermittel können von Deutschland, aber auch von Kommunen beantragt werden und sollen den Schutz der Biodiversität vorantreiben. Beispielsweise gibt es die Verordnung über die Wiederherstellung der Natur. Ziel der EU-Verordnung über die Wiederherstellung der Natur ist es, die biologische Vielfalt und die Ökosysteme wiederherzustellen. Dies steht im Einklang mit den Zielen der EU-Biodiversitätsstrategie für 2030.

Klimaanpassung bedeutet nicht nur kommunale Projekte, sondern auch Eigeninitiative:

  • Vorgärten begrünen und lokale Pflanzen nutzen
  • Fassaden- oder Dachbegrünung anlegen
  • Helle Dächer und außenliegende Verschattung einplanen
  • Bäume gießen, Baumscheiben pflegen oder Patenschaften übernehmen

Am Ende wurde auch noch ein kleiner Blick in die Zukunft gewagt. Aachen denkt bereits über die Stadtplanung von morgen nach. Überlegungen zu klimafreundlichen „Multifunktionsstraßen“ mit mehr Begrünung, Verdunstungsbeeten und Schattenorten laufen. Auch die Reaktivierung von Bachläufen und die Begrünung im Neubaugebiet Elsasstraße zeigen: Eine blau-grün geprägte Stadtplanung ist ein zentrales Zukunftsthema. Klar wurde bei der Veranstaltung: Klimaanpassung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wirtschaft, Politik und jede*r Einzelne sind gefragt – nur gemeinsam lässt sich Aachen widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels machen.