Rückblick: EU und USA: getrennte Wege oder gemeinsame Ziele?

Im Rahmen der Reihe 'Europa am Dienstag' fand heute eine Veranstaltung zum Thema "EU und USA: getrennte Wege oder gemeinsame Ziele?" statt. An dem Vortrag mit anschließender Diskussion nahmen 26 Personen im Grashaus und weitere 16 Interessierte online teil. Referent Dr. Robert Flader skizzierte Entwicklungen und aktuelle Herausforderungen für die EU, durch die offensichtliche Abkehr der USA. Eva Onkels übernahm die Moderation und leitete im Anschluss eine lebhafte Diskussion mit den Teilnehmenden ein. 

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EU und USA: getrennte Wege oder gemeinsame Ziele?

Jahrzehntelang waren Europa und die Vereinigten Staaten von Europa enge Partner. Die USA verstanden sich seit der Nachkriegsordnung stets als europäische Macht und hatten auch die Interessen ihrer europäischen Alliierten im Blick. Europa wiederum konnte sich grundsätzlich auf seine amerikanischen Verbündeten verlassen. Dies alles ist spätestens schon seit der ersten Trump-Administration stark infrage gestellt worden und gerät seit Beginn der zweiten Amtszeit vollends ins Wanken. In der Veranstaltung soll es darum gehen, was Europa und die EU aus der offensichtlichen Abkehr der USA lernen können, vor allem: wie es künftig endlich eigenständiger werden kann. 

Der Referent des Abends, Dr. Robert Flader, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Politische Wissenschaft der RWTH Aachen gewesen. Seine Dissertation hat er zum Brexit verfasst und zur europäischen Integration geforscht. Heute arbeitet er als Lehrer in Alsdorf, unter anderem in den Fächern Sozialwissenschaften, Politik und Deutsch.

Herausforderungen der EU

Dr. Robert Flader eröffnete den Vortrag mit der Feststellung, dass die USA unter der Führung von Donald Trump, insbesondere während seiner zweiten Amtszeit, kein verlässlicher Partner mehr seien. Trumps Rückkehr in das Amt habe die weltpolitischen Verhältnisse tiefgreifend verändert. Trump sei dabei, laut Flader, symbolisch für eine neue Art der politischen Konfliktführung. Die Abkehr von langjährigen Partnerschaften, die volatile Art Trumps und das Entfachen neuer Konflikte, wie beispielsweise der Streit um Grönland, seien hierfür wichtige Anzeichen. Schon während seiner ersten Amtszeit hätten sich Warnsignale für Europa gezeigt, doch der Rückzug aus multilateralen Vereinbarungen, die Handels- und Klimapolitik sowie die NATO-Krise seien nicht ausreichend reflektiert worden.

Trotz dieser Konflikte bleibe die EU jedoch der größte Wirtschaftspartner der USA, was eine gewisse gegenseitige Abhängigkeit schaffe. Die Präsenz von US-Militärbasen in Europa und der politische Einfluss der USA sind nach wie vor prägend. Ein Rückzug der USA aus Europa könnte jedoch besonders für die Ukraine gefährlich werden und die europäische Sicherheitslage destabilisieren.

Die Frage, die sich hier stelle, sei, wie Europa auf diese neuen realpolitischen Gegebenheiten reagieren müsse. Die Antwort von Robert Flader war eindeutig: Die EU dürfe sich nicht darauf verlassen, dass sich die Beziehungen zu den USA nach einer möglichen Amtszeit von Trump automatisch verbessern. Vielmehr müsse Europa eine eigenständigere Außen- und Sicherheitspolitik entwickeln. 

Ausblick: Abkehr als Chance

Europa solle seine eigenen Prinzipien und Partnerschaften überdenken: Was sind europäische Werte? Wie verteidigen wir uns? Wer sollen unsere Partner sein? Das Vertrauen auf eine Rückkehr zur alten politischen Normalität sei falsch und die EU müsse sich schnellstmöglich neu orientieren. Darin sehe Flader eine Chance, das Europa der Zukunft neu zu gestalten. Ein stärkeres Augenmerk auf die Verteidigungsbereitschaft, die ernsthafte Auseinandersetzung mit Bedrohungen und die Suche nach neuen Partnerschaften sei unerlässlich.

Der Vortrag verdeutlichte die dringenden geopolitischen und wirtschaftlichen Fragen, vor denen die EU heute steht. Insbesondere die unberechenbare Rolle der USA unter Trump, die Suche nach neuen Handelspartnern wie Indien und Mercosur sowie die Notwendigkeit einer eigenständigeren Sicherheits- und Außenpolitik Europas wurden als zentrale Herausforderungen hervorgehoben. Der Referent machte deutlich, dass Europa jetzt die Weichen für eine zukunftsfähige und unabhängige politische Ausrichtung stellen müsse.

Diskussion und Abschluss

Nach dem Vortrag, eröffnete die Moderatorin Eva Onkels eine lebhafte Diskussion mit den Teilnehmer*innen. Die Diskussion vertiefte behandelte Themen und zeigte verschiedene Perspektiven auf. Besonders im Fokus standen die Fragen nach der zukünftigen Rolle Europas auf der internationalen Bühne und den notwendigen Schritten zu einer handlungsfähigen EU mit unabhängiger Außen- und Sicherheitspolitik. Aber auch die Frage, nach potenziellen neuen globalen Partnerschaften wurde diskutiert. 

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