Rückblick: Wohin steuert Europa? Herausforderungen und Visionen

Im Rahmen der Reihe 'Europa am Dienstag' fand am 21.04.26 eine Veranstaltung zum Thema "Wohin steuert Europa? Herausforderungen und Visionen für die Zukunft der EU" statt. An dem hybriden Vortrag nahmen 41 Personen im Grashaus und weitere 21 Interessierte online teil. Der Referent Jean-Marie Magro skizzierte aktuelle Entwicklungen: Klimakrise, geopolitische Spannungen, Migration, Sicherheit und behandelte die Frage, wie Europas Zukunft aussehen soll. Eva Onkels übernahm die Moderation und leitete im Anschluss eine lebhafte Diskussion mit den Teilnehmenden.

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Bei 'Europa am Dienstag' haben wir gemeinsam mit dem Experten Jean-Marie Magro diskutiert, welche Wege die EU einschlagen kann und welche Vision sie braucht, um den globalen Wandel aktiv zu gestalten. Jean-Marie Magro ist Journalist mit deutsch-französischen Wurzeln. Seit 2025 ist er ARD-Korrespondent für die europäischen Institutionen, die NATO sowie die Benelux-Staaten. 

Die Veranstaltung stand ganz im Zeichen der aktuellen „Zeitenwende“ und der Frage, wie sich Europa in einer zunehmend unsicheren und multipolaren Welt behaupten kann. Ein wesentlicher Ausgangspunkt war der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, der den europäischen Zusammenhalt auf die Probe stellt. Gleichzeitig hat die EU eine ambivalente Beziehung zu China: sowohl als wichtiger Absatzmarkt als auch als systemischer Konkurrent. Auch der ehemalige Partner USA, der lange als Sicherheitsgarant galt, wendet sich ab. Das bisherige System einer regelbasierten internationalen Ordnung scheint sich hin zu einem „Recht des Stärkeren“ zu entwickeln. Die EU sucht nach neuen Partnerschaften, etwa mit Indien oder den Mercosur-Staaten.

Innerhalb Europas wurden politische Entwicklungen wie der Rechtsruck in einigen Mitgliedstaaten thematisiert. Diskutiert wurde auch die Frage eines möglichen Demokratiedefizits in der EU, bei dem Reformbedarf bestehe. Beispielsweise im Gesetzgebungs- oder Wahlverfahren. Die sogenannten „Omnibus“-Gesetzespakete sollen Bürokratie abbauen, indem sie zahlreiche Regelungen bündeln und vereinfachen: eine Reaktion auf Kritik an der Komplexität europäischer Politik.

Bildhaft wurde die EU mit einem Radrennteam verglichen: alle sind im selben Team, aber es gelingt nicht immer effektiv zusammenzuarbeiten und gemeinsam das Ziel zu erreichen. Es müsse ein „Europa der mehreren Geschwindigkeiten“ geben, bei denen Mitgliedsstaaten in bestimmten Bereichen enger zusammenzuarbeiten, während andere später folgen können. Jean-Marie Magro plädiert wieder mutiger zu denken und große Visionen zu entwickeln. Viele Ideen lägen bereits auf dem Tisch, nun gehe es darum, diese auch umzusetzen.

In der anschließenden Diskussion wurden von den Teilnehmenden viele Zukunftsfragen an aufgeworfen: Soll die EU weiter wachsen, etwa durch eine Aufnahme der Ukraine, obwohl bestehende Strukturen bereits unter Druck stehen? Sollte das Einstimmigkeitsprinzip in bestimmten Bereichen abgeschafft werden, um handlungsfähiger zu werden? Und wie kann die EU mit Mitgliedstaaten umgehen, die demokratische Grundwerte verletzen? 

Abschließend stand ein klarer Appell im Raum: Die Europäische Union dürfe sich nicht nur über wirtschaftliche Interessen definieren, sondern müsse stärker als Wertegemeinschaft auftreten. Europa müsse für seine Bürger*innen greifbarer werden und Antworten auf die großen Herausforderungen der Zeit geben.

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